Senseless Wisdom Of Life

Tag: Film

Harry “Jesus” Potter – auf ein Letztes (Spoiler Alert!)

by on Sep.19, 2011, under Filme, Meinungen

 

A figure of Lord Voldemort made by artist Kevi...

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Anders als bei meinen sonstigen Filmkritiken (wenn man sie so nennen will) werde ich bei diesem Beitrag nicht umhin kommen, zentrale Bestandteile des Plots wiederholt und detailliert zu nennen. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass irgendjemand, der sich für das Thema interessiert, den Film noch nicht gesehen bzw. das Buch noch nicht gelesen hat. Trotzdem seien alle Unwissenden hiermit gewarnt: Ab jetzt wird gespoilert! (continue reading…)

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Meinungsmontag Film: ElekTRONisches Erbe und Klassengesellschaft

by on Feb.14, 2011, under Filme, Meinungen

Light cycle model on display at Fan Expo 2009 ...

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Wer heute ins Kino geht, ist Computergrafiken mehr als gewöhnt. Dinosaurier, Monster, Aliens, fehlende oder zusätzliche Gliedmaßen, Naturgewalten,  gar ganze Welten kommen heute direkt aus dem Rechner auf die Leinwand. Die Technik entwickelt sich weiter, aber als die große Novität kann man das längst nicht mehr betrachten.

Ein  Jahr vor meiner Geburt sah das noch ganz anders aus. Krieg der Sterne war der Film, der zwar bis dato unbekannte neue Bilder zeigte, die waren aber alle noch mit der Hand durch Miniaturen und Stop-Motion-Technik erzeugt worden. Computer steuerten hier allenfalls die Motion-Control Kameras. Einer der ersten Filme mit am Computer erzeugten Szenen war Tron. Die  Story ist schnell erzählt: Der Programmierer Kevin Flynn (Jeff Bridges) will beweisen, dass  ihm mehrere seiner Computerspiele  vom ehemaligen Kollegen Dillinger gestohlen wurden, der daraufhin befördert wurde. Dazu hackt er sich in das Computersystem der Firma ENCOM, welches von künstlichen Intelligenz MCP geschützt wird. Bei einem Versuch mit Unterstützung der Mitarbeiter Alan Bradley (Bruce Boxleitner) und  Lora Baines (Cindy Morgan) wird Flynn mittels Laser digitalisiert und ins Computersystem befördert. Dort leben die Programme, die alle ihren Schöpfern ähnlich sehen, unter der strengen Herrschaft des MCP und dem Commander Sark. Programme, die sich widersetzen, müssen in Gladiatorenkämpfen um ihre Existenz bangen. Hier trifft Flynn auf das Sicherheitsprogramm TRON, beide flüchten während eines Spieles mit den “Lightcycles”. Letztendlich kämpfen beide gegen Sark und befreien die Programme der virtuellen Welt, Flynn gelangt in die Realität zurück, kann den Programmdiebstahl beweisen und wird CEO von ENCOM.

Spulen wir die Zeit 28 Jahre vor, wir haben die Dinosaurier, Aliens etc. gesehen, allgegenwärtige Computer und Computerwelten. Wo haben wir unsere Helden verlassen? In Tron Legacy erfahren wir, dass Kevin Flynn einen Sohn hervorbrachte und ansonsten an der Revolutionierung der virtuellen Welt arbeitete. Woran genau erfährt man erstmal nicht, denn Schöpfer und Schöpfung sind seit vielen Jahren verschwunden, seine Firma ENCOM haben Manager übernommen. Sam (Garrett Hedlund) ist zwar Eigentümer der Firma, aber daran eher uninteressiert. Er hat offenbar nie verwunden, dass sein Vater ihn einfach im Stich ließ. Als Alan (Bruce Boxleitner) einen Anruf aus der alten Spielhalle erhält, überzeugt er Sam sich dort umzusehen. Wenig überraschend findet er dort ein geheimes Büro inklusive Computer vor und wird mittels Laser in die virtuelle Computerwelt digitalisiert. Hier regiert ein Abbild seines Vater, ein Programm namen Clu (Codified Likeness Utitility, ein virtuell verjüngter Jeff Bridges) und die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Sam wird gefangen genommen und zu den Spielen geschickt. Als Clu seiner Anwesenheit gewahr wird, versucht er ihn zu vernichten. Mit Unterstützung von Quorra (die hinreißende Olivia Wilde) kann er flüchten und begegnet letztlich seinem Vater (zeitgenössischer Jeff Bridges), der in dieser Welt bislang gefangen war. Als Sam sich allein aufmacht, um wieder in die Realität zurückzukehren entschließt sich Kevin, der sich all die Jahre erfolgreich aus dem Einflussbereich Clus entzogen hat – aus Gründe, die an dieser Stelle nicht gespoilert werden – Sam zu Hilfe zu eilen und dem Programm Clu, dass er selbst erschaffen hat, entgegen zu treten.

Man sollte vorausschicken: Die Story war und ist nicht die Stärke der Tron-Filme. Die visuelle Aufmachung von Tron Legacy ist aber absolut im 21. Jahrhundert angekommen. Alle bekannte Elemente des ersten Filmes wurden liebe- und sinnvoll modernisiert, vor allem in 3D kommt das toll zur Geltung. Die Geschichte des zweiten Teils mag etwas komplexer sein, verkauft wird sie aber wie schon 1982 durch die tollen Darsteller und die überragende visuelle Erfahrung. Darum ist ein solider Film entstanden, der einerseits eine würdige Fortsetzung ist und andererseits als einer der wenigen Filme, die eine Visualisierung der digitalen Welt versuchen, hier eine tolle Leistung abliefert. Ebenso fetzig ist die abwechslungsreiche Musik des Filmes von Elektroduo Daft Punk. Mir persönlich bekannt seit dem Animemusical Interstella 5555 passt die Mischung aus C64-Sound und klassischem Orchester wie der Diskus in die Schnittstelle. Für Fans sollte der Kinobesuch eine Selbstverständlichkeit sein, für Freunde des 3D Kinos und visueller Vollendung empfiehlt er sich ebenfalls. Like!

Actors of movie Entre les murs at Cannes Film ...

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Und einer auf DVD

Als Kontrastprogramm kann ich auch noch was anbieten, der Film heißt “Die Klasse” und ist ein Spielfilm im Dokumentarstil von Laurent Cantet. Wir begleiten den Lehrer François Marin durch sein Schuljahr und begegnen gleich zu Beginn seiner illustren Klasse von gewöhnlichen Jugendlichen eines Pariser Arondissements mit hohem Migrantenanteil. Da gibt es Wei aus China, der ein äußerst vorbildlicher Schüler ist, aber auch Souleymane, der regelmäßig die Schule schwänzt, die französische Nationalität ablehnt und den Koran zitiert. Esmeralda ist vorlaut und diskutiert gern, Carl ist gerade von einer anderen Schule verwiesen worden und kommt neu in die Klasse. Sie alle machen es dem Lehrer alles andere als leicht.

Der Film zeigt die Konflikte und Lösungsversuche, die nicht nur der Mischung unterschiedlicher Nationalitäten sondern eben auch ganz simpel der Pubertät entstammen. Lehrer Marin versucht dabei offen zu sein, die Regeln lose zu handhaben und Verbote nicht mit eiserner Hand durchzuboxen. Das funktioniert leidlich gut, teilweise bekommt er selbst zu Problemschülern wie Souleymane einen Draht, dann wieder droht alles aus dem Ruder zu laufen. Wir erleben, wie schwierig die Gespräche mit den Eltern sein können und wie die Lehrer untereinander und mit ihren Schülern um jeden kleinen Erfolg ringen oder daran zugrunde gehen. Obwohl der Filme eine lose Narration hat und auch auf einem Roman von François Bégaudeau basiert, ließ man viel Platz für Improvisation. Auch die Laiendarsteller tragen viel zum Realismus bei, so dass dem Film eine hohe Glaubwürdigkeit anhängt.

Dieser Film sollte “Pflichtlektüre” für alle angehenden Lehrer sein und auch für Eltern, die Schwierigkeiten haben, die Leistung heutiger Lehrer zu wertschätzen. Nicht ohne Grund wurde er 2008 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und war für den Oscar als ausländischer Film nominiert. Überaus empfehlenswert!

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Be Kind Rewind – Abgedreht

by on Jun.04, 2010, under Meinungen, thoughts

Cover of
Cover of Be Kind Rewind

Ich bin im Grunde ein bissl stolz darauf, immer mal wieder auf bestimmte Filme, Musik oder andere Medien mit Verzögerung aufmerksam zu werden. Wenn etwas neu ist gibt es immer einen – kleinen oder großen – Hype und erst mit etwas Abstand kann man einigermaßen objektiv Tolles und Blödes auseinanderhalten. So war beispielsweise ein Film wie “Blade Runner” trotz Hype in der Presse nur mäßig erfolgreich an den Kinokassen. Mittlerweile wird er aber weithin als Kultfilm verehrt. Was sich auch positiv auf VHS und DVD Verkäufe ausgewirkt hat. :-)

Es geht aber um einen ganz anderen Film und der beschäftigt sich thematisch mit High-Tech aus dem letzten Jahrhundert: VHS!
Der Film heißt zu deutsch “Abgedreht” was sehr uninspiriert erscheint in Anbetracht des Originaltitels: “Be Kind Rewind“. Das heißt übersetzt “Seid nett und spult zurück” und bezieht sich auf die gute alte Videokasette, wie sie jahrzehntelang in den Videotheken leihbar war. Der Film spielt dann auch in einer solchen, sie befindet sich im Örtchen Passaic (New Jersey) und gehört Herr Fletcher (gespielt von Danny Glover). Während der verreist ist soll sein Angestellter Mike (Mos Def) das dahinsiechende Lädchen beaufsichtigen und insbesondere seinen Freund Jerry (Jack Black) fernhalten. Dieser lädt sich prompt magnetisch auf und löscht so im vorbeigehen sämtliche Videobänder. Mike und Jerry stehen nun in Zugzwang und beschließen mit einfachsten Mitteln die Filme nachzudrehen. (Screenshots!) Als erstes drehen sie “Ghostbusters” in wenigen Stunden nach, weil Frau Falewicz (Mia Farrow) den Film bestellt hat. Sie nennen diese spezielle ‘Technik’ “schweden” und begründen damit die Wartezeit auf die Filme. Überraschend kommen die nachgedrehten Filme bei den Kunden an und immer mehr Filme werden bestellt, der Laden läuft auf Hochtouren. Das ist umso erfreulicher, da das Gebäude dringend renoviert werden muß und Fletcher dazu das Geld fehlt. Die Leute zahlen sogar dafür, in den geschwedeten Filmen mitzuspielen. Doch dann schlägt die Filmindustrie gnadenlos zu und alle Filme werden wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht vernichtet. Die Enttäuschung wärt nur kurz, dann entschließen sich Mike und Jerry die Lebensgeschichte der Jazz-Ikone Thomas “Fatts” Waller zu verfilmen und damit das fehlende Geld zu verdienen. Der Film endet unkonventionell und unerwartet, wie genau soll aber noch nicht verraten werden.

Gondry-Mos-Def-Be-Kind
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Regisseur Michel Gondry (Vergiss mein nicht) hat insbesondere mit den kongenialen Filmen-im-Film etwas geschaffen, dass das Zeug zum Klassiker hat, wenn auch durchaus die Handlung insgesamt ein bissl löchrig ist. Seinen Charme entfaltet der Streifen im Grunde dann, wenn sich Mos Def und Jack Black in die selbstgebastelten Kostüme werfen und mit simpelsten visuellen und praktischen Tricks ihre Versionen bekannter Filmklassiker verwirklichen. Dazu gibt es eine geniale schnittfreie Sequenz, die zeigt wie mehrere Filme gleichzeitig “geschwedet” werden. Klar, einige werden Jack Black zu albern oder die Geschichte zu anspruchslos finden. Aber wie der Film es schafft die Remix-Kultur der Gegenwart aufzugreifen und trotzdem in ein organisches, erstaunlicherweise undigitales Setting zu transferieren, hat zweifellos Respekt verdient. Der Trend des “Schwedens” hat auch auf YouTube Niederschlag gefunden. Unabhängig davon hat der Film auch eine rührselige Seite und thematisiert den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Zugegeben, dass klingt alles ein bißchen nach Anachronismus und vielleicht ist es das sogar, aber es erinnert uns doch daran, das früher halt nicht alles schlecht war.

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Schall und Rauch und Titanen

by on Apr.20, 2010, under Allgemein / Generic, Filme, Meinungen

Eruption of Eyjafjallajökull Volcano, Iceland
Image by NASA Goddard Photo and Video via Flickr

Man sollte meinen, dass die Welt durchaus schon krisengeschüttelt genug ist: Krieg in Afghanistan, in den USA bricht der Sozialismus aus, die Finanz- und Wirtschaftskrise (nach zwei Jahren immer noch keiner Schuld), DSDS, Justin Bieber, ich könnte mühelos weitermachen.
Aber offenbar reicht das nicht, denn seit einigen Tagen beherrscht nur ein Thema die Nachrichten: Der Ascheregen aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, welcher erfolgreich den Flugverkehr über Europa lahmlegte und damit auch alle anderen Verkehrswege in Mitleidenschaft zog. Während die meisten Betroffenen wohl zunächst wütend, dann resignierend die Einschränkung zur Kenntnis nehmen, bin ich als Verschonter einigermaßen überrascht, dass offenbar erstmals in der Geschichte ein Vulkanausbruch mit Ascheausstoß derlei Folgeschäden verursacht. Das zeigt eindrucksvoll, wie unvorbereitet wir doch offenbar auf die doch eher gängigen Naturschauspiele dieser Welt sind. Und wie viel Demut uns im Umgang mit den Wundern der modernen Personenbeförderung fehlt. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Perseus by Benvenuto Cellini, Loggia dei Lanzi...
Image via Wikipedia

Einem Spektakel ganz anderer Art durften @danvers und ich am Freitag im Kino beiwohnen. Wir konsumierten den Film “Kampf der Titanen”, ein Special-Effects-3D-Popcorn-Machwerk, das, im Gegensatz zur Regierungskoalition, vollkommen hielt, was es versprach. Zunächst mal muß ich aber feststellen, dass der Titel im Grunde eine Mogelpackung ist, tatsächlich gibt es im Film selber keine direkte Auseinandersetzung zwischen Titanen (zumindest nicht nach meinem Verständnis) sondern nur zwischen Titanen und Menschen, wobei des einen Überreste durchaus als Waffe gegen einen anderen zur Anwendung kommen. Der Film ist ein Remake (Original 1981) basierend auf den allseits bekannten Geschichten der griechischen Mythologie: Held Perseus (auch Name einer Bekleidungskette in GTA IV, gespielt von Sam Worthington) ist ein unehelicher Sohn des Qui-Gon Zeus und wächst bei menschlichen Eltern auf, die aber von Lord Voldemort versenkt werden. Er landet in Argos, was Pech ist, denn die Götter planen den Kraken (oder die Krake, da ist der Film unentschlossen) auf die Stadt loszulassen, wenn die Menschen nicht wieder beten und die Königstochter Andromeda opfern (wie der Stern von Galaktika aus ‘Hallo Spencer’). Das geht natürlich nicht, und weil die ja auch so nett is läßt sich Halbgott Perseus überreden die Hexenzyklopen von Eastwick aufzusuchen, die ihm verraten sollen, wie man Kraken tötet. Nach beschwerrlicher Reise und tollem 3D Kampf gegen Riesenskorpione (die aber später als Reittiere dienen) erfährt er dann: Einfach Medusa in der Unterwelt die Rübe abhauen und dem Kraken zeigen, der versteinert vor Schreck, fähtich. Also wandert der Held weiter und trotzdem ihm alle Versagensängste einreden wollen (bis auf Io, die ihn zur Motivation auch mal ranläßt) wird natürlich am Ende alles gut und der Held könnte die Prinzessin haben, wenn er nicht hoffnungslos schwul wäre, wie die meisten Griechen zu der Zeit.

Mein zweiter Film in 3D und langsam werden die technischen Grenzen und Probleme der Technik offenbar (Tiefenschärfe, schnelle Bewegungen, zu kleine Objekte ). Und obgleich der Film wohl nicht die 11,50 € Wert war, die er gekostet hat (Notiz an mich, Kinobesuche am Freitagabend belasten das Budget nachhaltig) so war er durchaus passend um dabei ein Tüte Popcorn zu vernichten und hinterher nicht weiter drüber nachdenken zu müssen. Muss auch mal sein dürfen. Als Ausgleich kann der unterforderte Filmconnaisseur ja dann eine Angelopoulos -Retrospektive nachschieben. Is auch griechisch. :-)

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Star Trek 0b (11) revisited + Important things

by on Feb.27, 2010, under Allgemein / Generic, thoughts

Star Trek (film)

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Vor knapp einem Jahr, am 25 Mai, habe ich ein Review des letzten “Star Trek” Films gepostet, nachdem ich den Film erstmals im Kino gesehen hatte. Letzte Woche hab’ ich mir den Film nochmals auf DVD angesehen, komplett mit Wiederholung für den Audiokommentar. Es war der Versuch einer Versöhnung, weil es halt nun mal Star Trek ist und eine Fortsetzung ja schon in Arbeit ist (die Webbeweise dazu möge jeder selbst ergooglen). (continue reading…)

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Terry Gilliam: Das personifizierte Imaginarium (inkl. Review)

by on Feb.04, 2010, under thoughts

Terry Gilliam at IFC Center:

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“Das Publikum ist träge. Man darf es nicht überfordern. ”
“Wir brauchen möglichst viele bekannte Stars.”
“Es gibt Gewohnheitsregeln der Wahrnehmung und Struktur, die einzuhalten sind.”
“Können wir nicht stattdessen eine Fortsetzung von was Bekanntem machen?”
“Das versteht doch keiner. Geht das nicht simpler?”
“Was ist eigentlich ihr Punkt? Was wollen sie sagen?”

Ich kann’s natürlich nicht beweisen, noch nicht mal aus Erfahrung sprechen, aber so oder so ähnlich stelle ich mir die Kommentare der großen Geldgeber des Film, der Studios und Produzenten, vor, wenn ihnen ein Filmemacher, der vielleicht etwas gegen den Strom schwimmt, begeistert Filmideen unterbreitet. Jeder Filmschaffende wird wohl sagen, dass es im Film Regeln gibt. Und dass man sie kennen muss, bevor man sie brechen kann. Eine solche Regel scheint zu sein, dass man sein Publikum nicht herausfordern darf, weil das so ähnlich klingt wie überfordern. Unterhaltung darf nicht anstrengend sein. Vor allem im deutschen Fernsehen hat man das verstanden. *g*

Aber um TV soll’s gar nicht gehen, sondern um den neuesten Film von Terry Gilliam mit dem herrlichen Titel ” Das Imaginarium des Doktor Parnassus“. Denn Terry Gilliam ist so ein Filmemacher, der nicht oft die Chance bekommt, ein Projekt bis zum Ende durchzubringen. Oft scheitert es am Studio, manchmal auch an höherer Gewalt. So wäre eben dieser Film beinahe am Tod eines seiner Hauptdarsteller – dem Schauspieler Heath Ledger – gescheitert. Offenbar aufgrund mangelnder Faszinativität – die angeborene Fähigkeit genuinen Fasziniertseins -  seitens einiger Redakteure, handelt beinahe jeder Artikel über den Film zu großem Teil oder ausschließlich von Ledgers Tod und seinen Auswirkungen, so dass es hier nicht nochmals aufgewärmt werden muss.

Ein Hauch von Story: Ein turmartiger Schaustellerwagen, von Pferden gezogen, rollt durch die Straßen des heutigen Londons. Auf der fahrenden Bühne zeigt Dr. Parnassus – ein tausende Jahre alter, zumeist betrunkener, doch unsterblicher Schamane gespielt von Christopher Plummer – eine ebenso gealterte Show, die niemanden zu interessieren scheint. Unterstützt wird er von Anton (Andrew Garfield), einem Zwerg namens Percy (Verne Troyer) und seiner Tochter Valentina (Lily Cole). Das Zentrum dieser Show ist ein magischer Spiegel, durch welchen man in die Fantasiewelt des Doktors wechseln kann. Hier wird der Besucher in einer Begegnung mit sich selbst vor die Wahl zwischen leicht oder anstrengend, eigennützig oder freigiebig, kurz: gut oder böse gestellt.

The Imaginarium of Doctor Parnassus

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Parnassus hat die letzten Jahrtausende damit zugebracht mit dem Teufel aka  Mr.Nick (Tom Waits) Wetten abzuschließen und diese regelmäßig zu verlieren. So hat er als seinen letzten Wetteinsatz seine Tochter an Mr Nick. verloren, sobald sie 16 Jahre alt wird. Dieser Geburtstag steht kurz bevor, doch der wettsüchtige Teufel schlägt eine weitere Wette vor: Wer als erster fünf Seelen für sich gewinnen kann, bekommt Valentina. Die Karten stehen schlecht,  als die Schaustellertruppe den zwielichtigen Tony (Heath Ledger) findet, der halb tot am Strang von einer Brücke baumelt. Sie können ihn jedoch retten und als Dank, hilft er ihnen die Show zu ‘modernisieren’. Allein seine Beweggründe bleiben ein Rätsel, wenn auch nicht für lange…

Gilliam ist kein Freund von linearen Plots und klassischen Dreiaktern, seine vergangene Filme sind von daher oftmals schwer zugänglich. Seine Stärke hingegen ist das Visuelle. Das sagt er selbst, schon für Das Leben des Brian war er deswegen dem Regiestuhl ferngeblieben und hatte sich im Produktionsdesign ausgetobt. Filme wie Jabberwocky, seine Interpretation der Abenteuer des Baron Münchhausen oder Time Bandits zeigen die bildgewaltigen Welten, die nur Gilliam erschaffen kann. Auftragsarbeiten wie König der Fischer oder Twelve Monkeys waren kommerzielle Erfolge, aber seine eigenen Geschichten taten sich immer schwer im Mainstream, obwohl er besonders bei Literaten scheinbar großes Vertrauen genießt. So wollte J.K. Rowling eigentlich Gilliam den Potter verfilmen lassen, auch für Der goldene Kompass und Charlie und die Schokoladenfabrik war er Wunschkandidat, scheiterte jedoch immer an den Studios, die sich nach wie vor schwer tun, Gilliam richtig Geld in die Hand zu geben.

Auch dieses Imaginarium, welches im Grunde eine Parabel auf Gilliam selbst ist, entfaltet sich nur langsam vor den Augen des Zuschauers, aber es ist zugänglicher als viele andere seiner Filme. Diverse Reviews legen nahe, das Gilliam so diszipliniert wie selten vorgeht. Es geht um universelle Ideen, wie der nie endende Kampf von Gut und Böse, den Stellenwert von Fantasie und Vorstellungskraft in unserer Gegenwart und nicht zuletzt wie Menschen dazu im Verhältnis stehen. Mehr als einmal kommentiert der Film sich selbst, beispielsweise wenn Betrunkene zu Beginn Flaschen nach den Schaustellern werfen und sich niemand findet, der bereit ist, sich auf die Wunderwelt einzulassen. Oder am Schluß, wenn Parnassus von einem Jungen gefragt wird, ob es ein Happy End geben wird und er antwortet: “Dafür können wir nicht garantieren.”

Bei Gilliam gibt es kein Schema F und noch immer sucht er mit seinen Filmen ein Publikum, dass eine Herausforderung zu schätzen weiß. Das den Film nicht abspulen und vergessen sondern erleben und mitnehmen will. Während zwei Säale weiter Camerons 3D Ungetüm als der nächste revolutionäre Schritt des Kinos gefeiert wird (mit dem sich zudem vortrefflich Geld scheffeln läßt), wirkt der Fantasmus, die Brillianz und die Weirdness vom Imaginarium des Doktor Parnassus in der Tat hin und wieder wie ein Relikt aus vergangenen Tagen, ähnlich wie das Wandertheater, welches er zum Inhalt hat. Doch täuschen sie nicht: Großartige Darsteller, berauschende Bilder und tragende Gedankengebäude machen dies zu einem Film  “voller halbfertiger und fertiger Ideen, was im Ganzen mehr Ideen sind, als andere Filme auch nur erwägen.” (frei übersetzt Boston Globe)

Fazit: Absolut empfehlenswert! Kein Popcorn nötig. *g*

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