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Tag: Heath Ledger

Terry Gilliam: Das personifizierte Imaginarium (inkl. Review)

by on Feb.04, 2010, under thoughts

Terry Gilliam at IFC Center:

Image via Wikipedia

“Das Publikum ist träge. Man darf es nicht überfordern. ”
“Wir brauchen möglichst viele bekannte Stars.”
“Es gibt Gewohnheitsregeln der Wahrnehmung und Struktur, die einzuhalten sind.”
“Können wir nicht stattdessen eine Fortsetzung von was Bekanntem machen?”
“Das versteht doch keiner. Geht das nicht simpler?”
“Was ist eigentlich ihr Punkt? Was wollen sie sagen?”

Ich kann’s natürlich nicht beweisen, noch nicht mal aus Erfahrung sprechen, aber so oder so ähnlich stelle ich mir die Kommentare der großen Geldgeber des Film, der Studios und Produzenten, vor, wenn ihnen ein Filmemacher, der vielleicht etwas gegen den Strom schwimmt, begeistert Filmideen unterbreitet. Jeder Filmschaffende wird wohl sagen, dass es im Film Regeln gibt. Und dass man sie kennen muss, bevor man sie brechen kann. Eine solche Regel scheint zu sein, dass man sein Publikum nicht herausfordern darf, weil das so ähnlich klingt wie überfordern. Unterhaltung darf nicht anstrengend sein. Vor allem im deutschen Fernsehen hat man das verstanden. *g*

Aber um TV soll’s gar nicht gehen, sondern um den neuesten Film von Terry Gilliam mit dem herrlichen Titel ” Das Imaginarium des Doktor Parnassus“. Denn Terry Gilliam ist so ein Filmemacher, der nicht oft die Chance bekommt, ein Projekt bis zum Ende durchzubringen. Oft scheitert es am Studio, manchmal auch an höherer Gewalt. So wäre eben dieser Film beinahe am Tod eines seiner Hauptdarsteller – dem Schauspieler Heath Ledger – gescheitert. Offenbar aufgrund mangelnder Faszinativität – die angeborene Fähigkeit genuinen Fasziniertseins -  seitens einiger Redakteure, handelt beinahe jeder Artikel über den Film zu großem Teil oder ausschließlich von Ledgers Tod und seinen Auswirkungen, so dass es hier nicht nochmals aufgewärmt werden muss.

Ein Hauch von Story: Ein turmartiger Schaustellerwagen, von Pferden gezogen, rollt durch die Straßen des heutigen Londons. Auf der fahrenden Bühne zeigt Dr. Parnassus – ein tausende Jahre alter, zumeist betrunkener, doch unsterblicher Schamane gespielt von Christopher Plummer – eine ebenso gealterte Show, die niemanden zu interessieren scheint. Unterstützt wird er von Anton (Andrew Garfield), einem Zwerg namens Percy (Verne Troyer) und seiner Tochter Valentina (Lily Cole). Das Zentrum dieser Show ist ein magischer Spiegel, durch welchen man in die Fantasiewelt des Doktors wechseln kann. Hier wird der Besucher in einer Begegnung mit sich selbst vor die Wahl zwischen leicht oder anstrengend, eigennützig oder freigiebig, kurz: gut oder böse gestellt.

The Imaginarium of Doctor Parnassus

Image via Wikipedia

Parnassus hat die letzten Jahrtausende damit zugebracht mit dem Teufel aka  Mr.Nick (Tom Waits) Wetten abzuschließen und diese regelmäßig zu verlieren. So hat er als seinen letzten Wetteinsatz seine Tochter an Mr Nick. verloren, sobald sie 16 Jahre alt wird. Dieser Geburtstag steht kurz bevor, doch der wettsüchtige Teufel schlägt eine weitere Wette vor: Wer als erster fünf Seelen für sich gewinnen kann, bekommt Valentina. Die Karten stehen schlecht,  als die Schaustellertruppe den zwielichtigen Tony (Heath Ledger) findet, der halb tot am Strang von einer Brücke baumelt. Sie können ihn jedoch retten und als Dank, hilft er ihnen die Show zu ‘modernisieren’. Allein seine Beweggründe bleiben ein Rätsel, wenn auch nicht für lange…

Gilliam ist kein Freund von linearen Plots und klassischen Dreiaktern, seine vergangene Filme sind von daher oftmals schwer zugänglich. Seine Stärke hingegen ist das Visuelle. Das sagt er selbst, schon für Das Leben des Brian war er deswegen dem Regiestuhl ferngeblieben und hatte sich im Produktionsdesign ausgetobt. Filme wie Jabberwocky, seine Interpretation der Abenteuer des Baron Münchhausen oder Time Bandits zeigen die bildgewaltigen Welten, die nur Gilliam erschaffen kann. Auftragsarbeiten wie König der Fischer oder Twelve Monkeys waren kommerzielle Erfolge, aber seine eigenen Geschichten taten sich immer schwer im Mainstream, obwohl er besonders bei Literaten scheinbar großes Vertrauen genießt. So wollte J.K. Rowling eigentlich Gilliam den Potter verfilmen lassen, auch für Der goldene Kompass und Charlie und die Schokoladenfabrik war er Wunschkandidat, scheiterte jedoch immer an den Studios, die sich nach wie vor schwer tun, Gilliam richtig Geld in die Hand zu geben.

Auch dieses Imaginarium, welches im Grunde eine Parabel auf Gilliam selbst ist, entfaltet sich nur langsam vor den Augen des Zuschauers, aber es ist zugänglicher als viele andere seiner Filme. Diverse Reviews legen nahe, das Gilliam so diszipliniert wie selten vorgeht. Es geht um universelle Ideen, wie der nie endende Kampf von Gut und Böse, den Stellenwert von Fantasie und Vorstellungskraft in unserer Gegenwart und nicht zuletzt wie Menschen dazu im Verhältnis stehen. Mehr als einmal kommentiert der Film sich selbst, beispielsweise wenn Betrunkene zu Beginn Flaschen nach den Schaustellern werfen und sich niemand findet, der bereit ist, sich auf die Wunderwelt einzulassen. Oder am Schluß, wenn Parnassus von einem Jungen gefragt wird, ob es ein Happy End geben wird und er antwortet: “Dafür können wir nicht garantieren.”

Bei Gilliam gibt es kein Schema F und noch immer sucht er mit seinen Filmen ein Publikum, dass eine Herausforderung zu schätzen weiß. Das den Film nicht abspulen und vergessen sondern erleben und mitnehmen will. Während zwei Säale weiter Camerons 3D Ungetüm als der nächste revolutionäre Schritt des Kinos gefeiert wird (mit dem sich zudem vortrefflich Geld scheffeln läßt), wirkt der Fantasmus, die Brillianz und die Weirdness vom Imaginarium des Doktor Parnassus in der Tat hin und wieder wie ein Relikt aus vergangenen Tagen, ähnlich wie das Wandertheater, welches er zum Inhalt hat. Doch täuschen sie nicht: Großartige Darsteller, berauschende Bilder und tragende Gedankengebäude machen dies zu einem Film  “voller halbfertiger und fertiger Ideen, was im Ganzen mehr Ideen sind, als andere Filme auch nur erwägen.” (frei übersetzt Boston Globe)

Fazit: Absolut empfehlenswert! Kein Popcorn nötig. *g*

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The Dark Knight – Ziemlich beeindruckend

by on Aug.30, 2008, under Meinungen, movies

Heath Ledger as the Joker. The Joker's scruffy...Image via Wikipedia

Achtung, dies ist ein nahezu spoilerfreier Artikel.

Ich bin wieder mal im Tschinema gewesen – wow, schon zwei Besuche in zwei Wochen – und diesmal trug mich ja eine wahre Welle des Hypes dorthin, denn Christopher Nolans “The Dark Knight” hatte im Vorfeld schon – gelinde gesagt – einiges an Aufmerksamkeit erregt.
Zunächst mal starb bekanntermaßen Hauptdarsteller Heath Ledger, der den Joker spielte, nur wenige Monate nach Ende der Dreharbeiten unter eher unschönen Umständen (unglückliche Kombination verschiedener Medikamente). Dies schürte verschiedene Gerüchte und die Tragik seines Todes trug sicher nicht unerheblich zum noch nicht ganz geborenen Mythos des Filmes bei, lange bevor er veröffentlicht war. Kumuliert mit der eh schon gespannten Erwartungshaltung auf den neuen Batman-Film, nachdem Nolan das Franchise mit einer doch sehr neuen Interpretation des dunklen Ritters basierend auf den Comics von Frank Miller erfolgreich wiederbelebt hatte, führte dies dazu, dass der Film der erfolgreichste Filmstart aller Zeiten (in den USA) werden konnte. Bis zur Veröffentlichung hier in Deutschland schwappte der Hype schon mal über den Atlantik und folglich war ich auch eher etwas skeptisch, ob der Film dem überhaupt gerecht werden kann, zumal die Geschichte um den Joker und Batman ja schon einmal von Tim Burton anno 1989 inszeniert worden war.

Die Geschichte kurz angerissen:

Batman (Christian Bale) arbeitet nachts daran, Gotham City vom Gesindel zu befreien, Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) verfolgt das gleiche Ziel, allerdings tagsüber. Dent ist auch mit Bruce Wayne‘s Ex-Freundin Rachel Dawes (Katie Holmes Maggie Gyllenhaal) zusammen. Während die Stadt nicht so richtig weiß, was sie von ihrem dunklen Ritter halten soll, der sich auch nur nicht an das Gesetz hält, arbeitet lediglich Jim Gordon (Gary Oldman) mit ihm zusammen, um die Mafiaorganisation der Stadt zu überführen. Währenddessen taucht ein neuer Verbrecher, der Joker (Heath Ledger) auf, der sich mit seinen Diebstählen hervor tut. Er schlägt den Mafiabossen der Stadt vor, Batman für sie zu töten und verlangt dafür die Hälfte ihres Vermögens, welches ein verbrecherischer Geschäftsmann aus Hong Kong vor der Gothamer Polizei in Sicherheit gebracht hat. Diese willigen ein und der Joker kündigt eine Mordserie an, bei der er jeden Tag einen Menschen tötet, solange Batman nicht seine wahre Identität preisgibt. Nachdem es nicht gelingt, die ersten Morde zu verhindern, bereitet sich Bruce Wayne darauf vor das Geheimnis zu lüften, denn unter anderem stehen auch Staatsanwalt Dent und Rachel auf des Jokers Abschussliste.

Bis hierhin ist der Film inhaltlich eher unspektakulär (das war ungefähr die gefühlte Hälfte) und obwohl opulent inszeniert, hervorragend gespielt (besonders tatsächlich Ledger, der ganz klar der eigentliche Hauptdarsteller ist) und gut erzählt, fand ich, dass der Film seinem Ruf nicht gerecht wird. Wie gesagt,bis hierher, denn man kann wohl sagen, dass dies lediglich die relativ lange Exposition ist, der Film nimmt ab hier mehrere sehr spannende wie geniale Wendungen, Hauptcharaktere sterben und es ist wohl nicht zuviel verraten, dass neben der Vogelscheuche (kurz am Anfang) und dem Joker noch ein dritter Schurke – “Two Face” – auftaucht. Mehr kann ich an dieser Stelle kaum verraten, ohne wichtige Überraschungsmomente zu zerstören.

Der Film, der mit seiner düsteren Atmosphäre jeden anderen aus der Reihe in den Schatten stellt, ist im Ganzen sehr bodenständig und subtil, insbesondere für eine Comicverfilmung. Batman spielt wie gesagt nur die zweite Geige und muss sich die auch noch mit Bruce Wayne in Reinform teilen, weil er tagsüber ja nicht umherfliegen kann. Die Rollen von Batman und Wayne scheinen (wie schon in Batman Begins) nicht so klar getrennt zu sein, wie in den ersten vier Filmen, was dem Ganzen mehr Tiefe und eine neue Definition hinzufügt. Das in “Batman Begins” zerstörte “Wayne Manor” ist immer noch zerstört, Wayne hat eine Stadtwohnung, die Bathöhle ist eher unspektakulär pragmatisch, ebenso die Spielzeuge (neuer Anzug, auch neu: das BatPod). Der Fokus liegt klar auf den Figuren. Der Joker ist – bei aller Gewalt oder Action, die es trotzdem gibt – ein psychologischer Gegner und insofern wird auch auf beiden Ebenen opulent gefochten, anders noch als bei Nicholsons Joker, der partiell auch ein kaltblütiger Clown war, ist der Filme bis auf wenige konterkarierende Komikmomente sehr ernst.

Vergleich Einnahmen und Bewertungen der Batman Filme

Ledger gibt einen Psychopathen, frei von Moral, aber auch eine Art Eulenspiegel, der den Menschen ihre angeblichen Wertvorstellungen und Ethik durch Umkehrung und Gegenbeweis vorhält. Wie erhandelt läßt sich nicht mit Logik erklären. Der Film hat auch einen kurzen Big Brother / Krieg gegen den Terror – Kritikmoment, als Batman/Wayne selbst von seinem Ausrüster Lucius Fox (Morgan Freeman) unbemerkt eine Technologie entwickelt, um alle Mobiltelefone der Stadt abzuhören und den Joker ausfindig zu machen. Fox weigert sich weiterzuarbeiten, solange diese Technologie existiert, Wayne kontert, er habe nur ihm die Kontrolle über das System zugedacht und am Schluss wird das Ganze nach erfülltem Zweck dann auch vernichtet. Nicht unbedingt so subtil wie der Rest des Filmes, aber ein durchaus wichtiger Denkanstoss.
Dass der Film die erfolgreichste Batman-Verfilmung ist, liegt also nicht nur am Tod eines der Hauptdarsteller, es ist wirklich ein überragender Film, der es verdient hat. Neben der fast schon selbstverständlichen visuellen Brillianz – erstmals wurden vier Actionszenen eigens im IMAX Format gedreht und werden in entsprechenden Kinos in voller Größe gezeigt – spielt der Film geschickt mit seinen Figuren und der Glaubwürdigkeit, die ihm die Inszenierung verleiht. Und Batman ist kein Held, zumindest nicht der einzige, auch wenn am Schluß hollywood-typisch ihm die Sympathie gilt. Er wird mehr als einmal im Film hinterfragt, nicht zuletzt in den Zwiegesprächen zwischen Alfred (Michael Caine) und Wayne, die im Grunde inneren Dialoge sein könnten. Aber Christopher Nolan gelingt es Batman, den Superheld ohne Superkräfte (vom Reichtum mal abgesehen), in eine glaubwürdige, der Wirklichkeit sehr nahen Welt zu packen, die auch eine Rolle spielt. Anders als in Fantastic Four, wo die Reaktion der Leute auf die Helden unheimlich albern und entrückt wirkt, gelingt es in “The Dark Knight” den Kontext für die Geschichte bedeutsam zu nutzen, beispielsweise wenn mutige Menschen durch ihre Familien angreifbar werden oder Interessen gegeneinander ausgespielt werden.

Die Musik, wieder von Hans Zimmer und James Newton Howard komponiert, ist sehr pointiert mit wenigen, zentralen Themen und wird ergänzt durch simple, spannungsgeladene Rhythmen. Es ist eigentlich in weiten Teilen weniger Musik als minimalistische musikalische Soundeffekte, sie spielen im Gegensatz zu anderen Filmen keine durchgängige eigene Rolle sondern ergänzen die Optik (und die Bässe haben ja ohnehin eher haptischen Charakter).
Richtig erschreckend sieht übrigens “Two Face” aus, dessen halbe Gesichtshälfte ja durch einen Brand stark verletzt wird, dagegen wirkt Tommy Lee Jones Make-Up in “Batman Forever” wie eine schlechte Maske. Da hat die Special Effects Abteilung ganze Arbeit geleistet.

Ich muss mir den Film sicher noch einmal anschauen, aber er hat schon einen tiefen Eindruck hinterlassen und ich möchte mal behaupten, das ist der neue, sehr hohe Maßstab für Comicverfilmungen. Und natürlich wird schon über eine mögliche Fortsetzung diskutiert, obwohl man bezweifeln kann, dass dieser Film noch übertroffen werden kann.

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