Tag: philosophy
Werteverfall 2010 – Ein Rückblick
by yodahome on Dez.30, 2010, under Allgemein / Generic, Meinungen

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Nun ja, er wird überall schon seit Jahren beklagt und auch 2010 war dominiert vom bösen Werteverfall. Fangen wir zunächst mit ein paar eigenen Werten dieses Blogs an:
2009 veröffentlichte Artikel: 68 mit insgesamt 26509 Wörtern
2010 veröffentlichte Artikel: 29 mit insgesammt 23394 Wörtern
Wie man klar erkennen kann, sind diese Werte 2010 unheimlich verfallen, wenngleich offenbar der Umfang des einzelnen Artikeln stark gewachsen ist. Außerdem habe ich 2010 viele Infos, die ich vormals noch auf dem Blog gepostet hätte, in andere soziale Medien wie Twitter und Facebook überführt. Oder quasi verschenkt. Denn der Erfolg eben dieser Dienste hängt ja maßgeblich von dem ab, was der individuelle User bereit ist an Daten zu investieren. Was die dann damit machen, ist zumindest unsicher. Man tauscht also das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Nur was man als Gegenleistung bekommt ist irgendwie unklar. Ein klarer Werteverfall.
Besonders stark habe ich, wie viele andere wohl, Twitter frequentiert. Das zeigt zumindest die grafische Auswertung. Womit wir auch schon beim zweiten Werteverfall wären, dem der Daten. Wir alle verursachen immer mehr davon und schon allein darum verfällt ihr Wert, denn wer soll das alles noch konsumieren?Besonders viele Daten erzeugt offenbar die amerikanische Bürokratie und größere Teile davon wurden in diesem Jahr von Wikileaks der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Für umsonst. Damit ist außerdem ein weiterer Werteverfall dokumentiert, der sich seit einigen Jahren immer stärker fortsetzt: Die Idee der Freiheit scheint heute auch kaum noch etwas Wert zu sein. Was aber auch daran liegen kann, dass jeder davon eine andere Vorstellung hat. Ubisoft meinte, der Kunde sollte nicht so frei sein, seine Spiele überall und ohne Internetverbindung spielen zu dürfen. Google meinte, jeder sollte im Netz so frei sein dürfen, sich Häuser und Straßen anzugucken, Bürger meinten wiederum, dass würde sie in ihrer Freiheit einschränken, nackt im Garten zu liegen. Und hier im Blog wurde dem Trend folgend darum der unregelmäßige Meinungsmontag einberufen, der sich bisher ganz gut gehalten hat.
Richtig massiven Devisenwerteverfall hatte man uns mit der virtuellen Finanzkrise einreden wollen, gefolgt von “German Angst” Nummer 2, einer Wirtschaftskrise. Tatsächlich stellte sich raus, war der Schaden nicht ganz so groß und während zu Beginn der Krise alle von nichts gewusst haben wollen, tätschelten sich in diesem Jahr Politiker und Wirtschaftswaisen gegenseitig lobend die Backen. Und alle, die sich vorher die Taschen gefüllt haben, sind längst wieder kräftig dabei. Es geht aufwärts. Und scheinbar haben alle genug Kohle, denn zu Weihnachten wurde anstelle der doofen Bescheiden- und Besinnlichkeit wieder kräftig Kasse gemacht.
Der geneigte Leser sei nun aufgefordert noch mehr Anzeichen des Werteverfalls zu sammeln, wenn man beispielsweise in die Politik, Wirtschaft oder Kultur blickt, sollte einem dies nicht all zu schwer fallen. Die Kommentare oder auch die diversen sozialen Medien für Rückmeldung zur Verfügung.
In diesem wieder recht kurzen Bloggerjahr hat sich erneut gezeigt, dass kontinuierliches Veröffentlichen sinnloser Inhalte letztendlich keinem nützt. Aber auch keinem schadet. Und so möchte ich schließen mit dem wohl weisesten Satzdes Jahres aus dem aktuellen Werk des Ben Folds, einer Zeile aus dessen Song “Working Day”, die eine tiefgreifende Wahrheit – beinahe ein universelles Web 2.0-Mantra – in sich trägt:
“Some guy on the net thinks I suck and he should know.
He’s got his own blog”
Oh, und Frohes Neues!
1. Meinungsmontag
by yodahome on Mai.10, 2010, under Allgemein / Generic, thoughts
In meiner anhaltenden Suche nach festen Blogschemata eröffne ich hiermit die Serie Meinungsmontag, in der ich ungefragt meine Meinung zu aktuellen Themen preisgebe. So subtil wie möglich.
1. Landtagswahl NRW

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Kurz ge-zsf’t: CDU ganz groß verloren. Mmh. SPD real verloren, gefühlt gewonnen. Grüne ganz groß gewonnen (r+g), FDP und Linke mit drin und Andere ein bissl gewonnen (basiert auf vorläufigem Endergebnis). Rot-Grün möglich, Schwarz-gelb nicht. Bundesratmehrheit wohl futsch. Ist das ein Fortschritt?
Ohne allzu zynisch wirken zu wollen, für mich zeigt das nur, dass die Menschen unentschlossen sind. Genau so wie die großen Volksparteien, die sich ja schon seit Jahren immer mehr annähern. Wie lange noch bis Fusion zur Christlich-Demokratischen-SozialPädagogischen-Sozialistischen-Partei-Union (CDSPU)? Die Wähler wechseln ihre Meinung munter von einem Jahr auf’s andere und im Endeffekt sind die Parteien relativ hilflos. Sie laufen ihrem Klientel hinterher, wie die Manager ihren Aktionären. Oder die Geeks dem iPad. Oder die Verlage dem iPad. You get the point.
Politik, das heißt derzeit Manager von maroden Ist-Zuständen zu sein, Erhaltung überholter Systeme für ein wankelmütiges Volk. Das Spannungsfeld liegt irgendwo zwischen Arbeiternehmer und Arbeitgeber, Anleger und Kleinsparer, gesetzlich und privat versichert, selbstständig und arbeitslos, katholisch und islamistisch, Hauptschule und Gymnasium, Mac oder PC. Wer wollte da auch nur versuchen, die Masse mitzureißen?
Politik sollte aber sein, Ziele zu definieren und Zukunft zu gestalten. Oder wenigstens Gegenwart verstehen und darauf reagieren. Klappt super, wenn Frau Aigner den Bürgern nahelegt, in den Gemeinden Unterschriftenlisten(!) gegen Google Street View zu sammeln. Warum nicht wenigstens eine Mailingliste? Ein Forum? Ne’ Newsgroup? Ein im Anachronismus geeintes Volk. Nicht immer aber immer öfter.
2. Griechenland Bailout

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Man stelle sich vor, eine Großfamilie (16 Leute, um viele Ecken verwandt), viele Jahre über die Welt verstreut gelebt, findet zusammen und möchte wieder engere Bande knüpfen. Sie verabreden z.B. gemeinsame Familienfeiern, tauschen Adressen aus und dann, weil sie nach außen Gemeinsamkeit zeigen wollen, gründen sie zusammen, ähm, sagen wir mal: eine gemeinsame Währung. Wir nenne sie den Euro. Olé, Olé, alles Super.
Alles ist klasse, die Familie benutzt die Währung und handelt kräftig, alle stehen scheinbar ziemlich gut da. Jeder hat ein paar Schulden, Kredite, Verpflichtungen, klar, wer hat die nicht? Aber alle haben Jobs, Einkommen größer Ausgaben, sie haben sich gegenseitig natürlich nicht die Kontoauszüge gezeigt, ist ja die Familie. Und es läuft.
8 Jahre später, es ist Krise, Finanzmarkt und so, die Familie trifft sich zum kleinen Fest, kommt ins Plaudern und raus kommt: Der Großonkel Calinichta hat ein paar mehr Schulden, als er verraten wollte. Lebt schon seit Jahren weit über seine Verhältnisse. Alle gucken betroffen und schlucken. Besonders Tanta Sampaio und Neffe Caruso. Allen geht irgendwie die Muffe, weil sie so richtig eigentlich doch nicht mal wissen, wie sie ihre eigenen Schulden zahlen sollen. Und was werden erst die Nachbarn sagen? Der Herr Johnson beispielsweise.
Also geben dem Onkel alle Familienmitglieder von dem Geld, dass sie nicht haben, was ab, damit die gemeinsame Währung vor den Nachbarn nicht schlecht da steht. Geht gar nicht? Richtig! Stattdessen geben die anderen Familienmitglieder das Versprechen ab dem Onkel Geld, das sie nicht haben, zu geben, wenn der es denn braucht. Doppel-Schwör! Außerdem schimpfen sie mit dem Onkel und der verspricht hoch und heilig, dass er mit Sparen anfängt. Auch wenn die Frau rebelliert. Und boa, wie die rebelliert.
Und alle leben glücklich bis an ihr seliges Ende. Hehe.
Noch im letzten Jahr erklärten Experten lang und breit, dass ein Staat nicht bankrott gehen kann. Aber von Staatengemeinschaft war nie die Rede!
3. Apple vs. Flash

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Steve mag Flash nicht. Weil, ähem, es ist nicht frei! Welch’ edles Motiv! Ja, es ist kein offener Standard. Und es zieht zu viel Strom auf mobilen Geräten. Oho, das ist schlecht für den Konsumenten! Flashapplikationen sind für Mäuse gemacht und nicht so richtig toll zum antouchen. Und obendrein funktioniert es einfach nicht! Jaha!!! Oh, one more thing: Eszerstörtunsunsertolles-abgeschlossenesökosystem-wowireinschweinegeldmitverdienentun. Die ersten sind aber wichtiger. Klar. Denn, wenn Apple etwas ist, dann frei! Die würden nie, beispielsweise, bestimmte Apps aus ihrem AppStore verbannen. Oder dafür sorgen, dass ihre Software nur auf ihrer Hardware läuft. Oder verhindern, dass man gekaufte Inhalte tauscht. Also: Wer im Glashaus sitzt (schon mal einen Apple Store gesehen?), sollte nicht mit iPods werfen.
Hammer ist aber: Flash-Evangelist (=Typ, der wo echt gute Stimmung für Flash machen soll) versucht eine Flash-Beta auf einem Android-Phone zu zeigen. Vor Publikum und so. Öffnet Seite in Browser. Browser stürzt ab. Öffnet Seite erneut, stürzt wieder ab. Fragt Publikum was er öffnen soll. “Hulu” (amerikanische Videoportal Anm. der Red.) Antwort: “Hulu doesn’t work”. Demo Ende. Fail!
Am Ende muss man konstatieren: 0 Punkte beide. Setzen. Sechs.
Anmerkung: Ich mag Apple. Wegen der Produkte und der Konvenienz in der Nutzung. Aber das Apple seine Marktmacht nutzt, um Freiheit zu propagieren, gar ohne Eigennutz zu fordern, sehe ich nicht. Die anderen Kritikpunkte aus Jobs’ Brief treffen aber zu.
Und Flash mochte ich noch nie.
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- Merkel concedes “bitter defeat” (news.bbc.co.uk)
- Jobs Attacks Flash as Unfit for iPhone (online.wsj.com)
Das Evangelium nach iPad
by yodahome on Apr.10, 2010, under Computer, thoughts

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Fürwar, ich entbiete Grüße an die versammelte Geekheit und das verehrte Nerdtum!
Auch die Gilde der Medienbildner sei willkommen geheißen, so dies nicht der Redundanz anheim fällt.
Seher und Schreiber berichten uns, dass also in den Vereinigten Staaten jenseits des großen Wassers das sagenumwobene iPad erschienen sei. Es ersetze die Laute, das Pergament, so manches Kinderspiel gar. Man solle sogar an des Priesters statt in der Lage sein, unsichtbares Wissen aus der Luft zu sehen, so man seine Hand über das magische Glas zu bewegen versteht.
Und es schicken sich Millionen an dem heiligen Jobs zu huldigen, der mit Hundertausenden der Wunderplatten vom ‘Infinite Loop’ stieg und sie seinen Schäfchen im Tausch gegen einen Heidenberg von Talern überlies. In nicht allzu ferner Zukunft vermag das Wunder auch die hiesigen Gefilde zu erreichen. Allerdings wird es nicht die gesammelten Schriften unserer Sprache enthalten. (Die Verhandlungen mit den Verlagen für deutsche eBooks laufen wohl noch.) Schon unlängst predigte ich euch, meinen Jüngern, von den Werken des Einen und äußerte meine bescheidenen Gedanken. (continue reading…)
Gottes Trümmer – ein Gedankenexperiment
by yodahome on Jan.05, 2010, under Bücher, life, thoughts
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Liebe/r Leser/in,
ich begrüße dich im neuen Jahr 2010, dem Jahr der Fussball-WM in Südafrika, dem finalen Abschluss der Agenda 2010, dem erste Jahr der Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts.
Man sollte das neue Jahr vielleicht mit leichtem Lesestoff beginnen, etwas unterhaltsam Erbauliches oder etwas, das die eigene Humorzentrale in Schwingungen versetzt. Stattdessen möchte eine Buch (und ein Hörbuch) vorschlagen, welches Faszinierendes zum philosophischen Fundament unserer Gesellschaft anzumerken hat. Es handelt sich um ein Buch von Scott Adams, der dir, geneigte/r Leser/in, möglicherweise von seinem erfolgreichen Comic “Dilbert” und den diversen dazu erschienenen Büchern bekannt ist. “God’s debris – A Thought Experiment” hat mit Dilbert aber überhaupt nichts zu tun, es zeigt vielmehr die philosophische Seite von Adams, der auch in seinem Blog immer wieder seine Leser mit wilden Theorien und Gedankenexperimente konfrontiert, ohne sich selbst und seinen Standpunkt dabei allzu ernst zu nehmen.
Die beiden Hauptcharaktere des Buches sind gleichsam auch die einzigen Charaktere. Der Protagonist ist ein Paketlieferant, der ein Paket an einen alten Mann genannt Avatar ausliefert. Dieser verwickelt ihn in ein Gespräch um Gott und die Welt, der daraus folgende Dialog ist zentraler Gegenstand des Buches.
Der Avatar diskutiert zunächst einige zentrale Begriffe wie “freien Willen” (free will) und das K0nzept “Gott”. Er argumentiert außerdem dafür, dass das menschliche Gehirn lediglich ein Täschungsgenerator (delusion generator) ist, weil es nicht dazu in der Lage ist, die komplexe Welt tatsächlich zu verstehen und als Ersatz dafür vereinfachte Modelle schafft.
Basierend auf diesen Grundmotiven behauptet der Avatar, dass anzunehmen ist, dass es für einen allmächtigen Gott nur eine wirkliche Herausforderung, nur eine Motivation geben kann: Selbstzerstörung. Daraus folgert er, dass Gott sich selbst zerstört hat und alles was existiert (inklusive der Menschen) Gottes Trümmer sein müssen. Diese bestehen aus zwei Komponenten: Materie, in einer uniformen stofflichen Form, die so klein ist, dass wir sie noch nicht entdeckt haben, und Wahrscheinlichkeit (Probability). Aus dieser Annahme speisen sich die folgenden Theorien und Erklärungen, die sich über astronomische und physischen, gesellschaftliche und philosophische Sphären erstrecken. Letztendlich schickt sich der Avatar an, uralte philosophische Fragen zu diskutieren, wobei er immer wieder darauf verweist, sich auf die einfachsten möglichen Erklärungen zu berufen.
So wird im Buch das Leben und unsere Existenz als ein Prozess des Wieder-Zusammen-Setzens von Gott interpretiert, weil scheinbar nur auf diese Weise eine erklärbare Motivation für unsere Existenz vorhanden wäre.
Der Untertitel “Ein Gedankenexperiment” ist hier nicht nur inhaltlich zu sehen: Das gesamte Buch fordert den Leser dazu auf, zunächst andere Erklärungen und Denkansätze zu akzeptieren und die eigenen Überzeugungen kritisch zu prüfen. Letztendlich sollen aber keine Antworten gegeben sondern neue Fragen aufgeworfen werden. Die ‘einfachen’ Erklärungen sind interessante Möglichkeiten, aber nicht unbedingt viel mehr.
Mich persönlich haben einige Gedanken durchaus fasziniert, teilweise stößt man mit ein bißchen Überlegung auch schnell an Grenzen. Gibt es eine natürliche Tendenz zu einfachen Erklärungen? Und hat das überhaupt Konsequenzen für das Individuum? Adams behauptet außerdem, er habe beim Schreiben des Buches eine Hypnosetechnik eingebaut, die dem Leser ein positives Gefühl des Erkenntnisgewinnes geben soll. Eine gewisse erleuchtende Wirkung kann man durchaus verspüren, ob das Aha-Erlebnis durch die Hypnose ausgelöst wird, kann natürlich kaum belegt werden.
Wer gerne geistige Luftschlösser baut oder einreißt, sollte hier unbedingt mal seine Nase reinstecken, das Werk liegt aussließlich im Englischen vor, dafür ist das eBuch sogar gratis herunterladbar. Nichtsdestotrotz kann man es auch käuflich erwerben. Ich persönlich habe es mir vorlesen lassen, ein Hörbuch ist bei Audible über den iTunes Store für knappe 4 € zu erstehen. Es gibt auch eine Fortsetzung mit dem Titel “The Reglion War”, dies sei jedoch nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, ich habe es nicht gelesen. Bis jetzt.
Liebe Grüße!
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- Hypnotized by an Audio Book (dilbert.com)
- Dilbert Takes On Overbearing Patents (techdirt.com)
Mühsam nährt sich das Eichhörnchen…
by yodahome on Jan.17, 2009, under life, thoughts
.. pflegen wir zu sagen, wenn eine Aufgabe nur langsam vorankommt und sehr mühsam zu sein scheint. Unsere Politiker haben sich offenbar zur Aufgabe gemacht der Herausforderung des Internetzeitalters (oder insgesamt des 21. Jahrhunderts) erstmal mit der Einschränkung der Grundrechte zu begegnen, zumindest bis sie eines von beiden endlich verstanden haben.
Sie tun das nicht auf einen Schlag, sondern immer schön Schritt -für-Schritt, denn auch die Administration weiß, dass der Frosch wegspringt, wenn man ihn in heißes Wasser setzt, nicht aber wenn man ihn in kaltes Wasser setzt und die Temperatur allmählich erhöht. So war dann vor kurzem bei Spiegel-Online zu lesen:
“Deutsche Serviceprovider werden “noch in dieser Legislaturperiode” damit beginnen, Internet-Adressen mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren. Das gab Familienministerin Ursula von der Leyen in Berlin bekannt. Das BKA wird die täglich aktualisierten Block-Listen führen.”
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,601440,00.html
Zunächst mal will ich hier gar nicht die Inhalte verteidigen, die hier unterbunden werden sollen. Kinderpornographie ist widerlich, unnötig und vollkommen zu Recht verboten, in der realen wie auch in der virtuellen Welt. Punkt aus.
Trotzdem gibt es in unserem Grundgesetz eindeutige Regeln, die darauf abzielen, Zensur zu unterbinden. Weil wir glauben, dass die Grundlage von Demokratie eine gewisse Form von so-gering-wie-möglich-eingeschränkter Freiheit ist, unter anderem der Freiheit der eigenen Meinung, das Recht, diese auch zu äußern und zu veröffentlichen (Artikel 5) und weitere Rechte, die wir als kulturelle Errungenschaften betrachten. Ferner gibt es ein Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das den Schutz der eigenen(=persönlichen) Informationen auch auf diversen Wegen sicherstellen soll (real oder virtuell).
Das Internet ist ein öffentlicher aber kein rechtsfreier Raum und Anbieter von Kinderpornografie sollten zur Verantwortung gezogen und die Angebote entfernt werden (auch durch den ISP, wenn er dazu aufgefordert wird). Wenn jemand solchen Kram auf Bahnhofsklos verkauft, dann wird er festgenommen, so man ihn erwischt. Was aber hier geschieht ist der erste Schritt zur Einschränkung der Grundrechte: Wir stellen vor jedes Klo einen Türsteher und hindern diese Leute gleich am betreten derselben. Dafür müssen wir natürlich leider alle kontrollieren, Sorry.
Und so möchte ich mit demselben Argument reagieren, dass Neil Gaiman in seinem Blog vor einer Weile formuliert hat:
Wenn wir zulassen, dass die technischen Möglichkeiten eingerichtet werden, um eine bestimmte Gruppe (illegaler) Inhalte zu blockieren (= zensieren), wird es nicht mehr lange dauern, bis die Regierung darüber nachdenkt, andere unliebsame Angebote verschwinden zu lassen. Es wäre nicht einmal mehr Aufwand. Und wer kontrolliert die Kontrolleure? Oder als Zitat:
“Because if you don’t stand up for the stuff you don’t like, when they come for the stuff you do like, you’ve already lost.”
Zugegeben die Inhalte in beiden Sachverhalten sind womöglich nicht vergleichbar, aber auch unser Verbot von Kinderpornografie ist letztendlich nur eine kulturelle Übereinkunft und somit eine -kulturelle- Geschmacksfrage. In anderen Länder dürfte man das, was bei uns ab 18 legal ist erst ab 21 Jahren tun, oder schon ab 16 oder auch gar nicht.
Ich sage auch nicht, dass wir unsere kulturellen Werte nicht verteidigen sollen. Aber wir sollten uns fragen, ob wir bereit sind bestimmte Werte (z.B. Freiheit und Grundrechte) zu verlieren nur um andere zu schützen.
Wir können natürlich abwarten und sehen was passiert, aber wenn wir merken, dass die Temperatur steigt, dann haben wir vielleicht schon ein Problem.
Oh, einen noch: “Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.” – Benjamin Franklin
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Erinnerungen richtig recyclen
by yodahome on Aug.22, 2008, under Ohne Kategorie
Ich räume sehr ungern auf. Denn mich beschleicht immer das Gefühl, mit irgendeiner Sache auch eine Erinnerung wegzuwerfen und wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr leicht Dinge vergesse und folglich könnten so leicht Gedanken verloren gehen.
Wie auch immer, nach meiner vollendeten Bachelorarbeit wollte ich eigentlich nur die Bücher ins Regal stellen, die Wochenlang auf meinem Tisch hübsch übereinander gestapelt lagen und ich stellte fest, dass sie nicht hinein passen. Ich besitze relativ viele Schränke, aber die sind offenbar alle gut gefüllt. In meinem Bücherregal stehen alle Bücher, die ich jemals geschenkt bekommen, gekauft, gefunden oder geliehen und nicht zurückgegeben habe. Seit ca. 1988. Das bedeutet es tummeln sich das “Riesengroße Rätselbuch” und diverse “Bummi”-Sammelbände zwischen Pumuckl, Momo und Sophies Welt, gerahmt von Kochbüchern wie “Berliner Küche” oder “100 Pastarezepte” und kontrastieren damit das “MS-DOS 5.0 Benutzerhandbuch”, “AJAX in Action” oder “Understanding Media” von McLuhan. Natürlich dürfen auch Standardwerke wie die “Chronik ’88″, diverse Lexika und Rechtschreibschinken oder die gesammelten “Star Trek Fakten und Infos” nicht fehlen.
Die waren alle irgendwann mal annähernd chronologisch geordnet, vielleicht war das aber auch in einem anderen Paralleluniversum, heute hat jedenfalls die Entropie in meinem Regal die Überhand.
Um nun also die neuen Bücher dort noch hineindrücken zu können, müßten einige der älteren Werke in andere Schränke abwandern. Um dafür Platz zu schaffen, habe ich widerwillig alte Zeitschriften aus dem Schrank gefischt (u.a. PC Games, PC Action und PC WELT der letzen 10 Jahre) und bin dabei auf meine Sammlung alter Schulhefte und -ordner gestoßen, die ich bislang erfolgreich gegen jede Aufräumtätigkeit verteidigen konnte. Ich habe so ziemlich jeden Hefter, jedes Heft und jeden Schreibblock aus jedem Schulfach seit der 6. Klasse aufbewahrt und angesichts der Tatsache, dass ich ja nun nah dran bin mein erstes Studium abzuschliessen, schien es mir plötzlich emotional möglich, die alten Schätze (z.B. Latein 10 Klasse, nutzlose Sprache aber tolle Noten) mal zu sichten.
So brachte ich etwas mehr als eine Stunde mit der Inspektion zu und muß gestehen, dass ich es nicht über mich bringen konnte alles restlos zu entsorgen. Letztendlich transportierte ich dann aber doch geschätzte 150 bis 200 kg Papier auf die Strasse. Ich teile mein Problem des “Nicht-Wegwerfen-Könnens” ja augenscheinlich mit 80 Millionen Deutschen, denn unser gesamtes Müllsystem funktioniert nicht etwa nach dem “Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn”-Prinzip, nein: Wir recyclen!! Wir sind ein Volk, ach was, DAS Recycling-Volk auf diesem Planeten und dahinter verbirgt sich meiner Meinung nach die Hoffnung, dass man früher oder später wieder mal auf seinen Müll trifft und sich so nie wirklich von etwas verabschieden muss. Wie sonst ist es zu erklären, dass wir Deutschen ganz bereitwillig unseren Müll trennen (Papier, Weissglas, Buntglas, Verbundstoffe und Dosen, also alles mit dem grünen Punkt; Hausmüll, Biomüll, Elektromüll und Sperrmüll um nur einige zu nennen) obwohl wir doch sonst so vehement gegen jegliche Form von Diskriminierung sind?? Da werden Familien von Verpackungen auseinandergerissen, nur weil der eine aus Glas und der andere aus Karton ist. Da müssen Teebeutel akribisch seziert werden (vlg. Otto Waalkes: Tee, Beutel, Altmetall, Altpapier und Altschnur) und es gibt offenbar keine Lobby für Müll, sonst würden wir wohl regelmäßig Demonstranten begegnen, die fordern, dass die Cornflakestüte mit der Cornflakespackung zusammenbleiben darf. Ich denke, mein Punkt ist hier klar.
Meine Erinnerungen waren übrigens fast vollständig aus Papier, und werden mir daher sehr wahrscheinlich nochmal wieder als Zeitung oder Getränkekarton begegnen. Wahrscheinlich sogar die Plastehefter, die ich natürlich separat in der gelben Tonne beerdigt habe. Denn wenn ich mich trenne, dann wenigstens richtig.

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